Fliessgewässer

Viele Fliessgewässer der Schweiz wurden begradigt, eingedohlt oder umgeleitet. Unser Ziel ist es den Fliessgewässern wieder ihre alte und ökologisch wertvolle Funktion zurück zu geben.

Viele Fliessgewässer der Schweiz sind begradigt, eingedolt oder umgeleitet. Der Gewässerraum ist oft eng und eintönig. Das neue Gewässerschutzgesetz (seit 1. Januar 2011 in Kraft) will den Fliessgewässern endlich wieder mehr Raum und Fläche geben. Damit sollen auch ufer- und landseitige Lebensräume erweitert und  zu mehr Artenvielfalt und Dynamik führen. Wasser, ob still oder fliessend, liegt uns am Herzen. Darum setzen wir uns für gezielte Renaturierungen ein.

Unterhalt am Brünnlisaugräbli, Latterbach, Gemeinde Erlenbach

Der Unterhalt und die Pflege am Brünnlisaugräbli in Latterbach konnte trotz halboptimaler Witterung, fachgerecht und gemäss den Auflagen in der Baubewilligung ausgeführt werden (Etappe eins). Die Aufwertung des Waldrands mit einer entsprechenden Ausholzung war von der Waldabteilung 3 in Wimmis organisiert, koordiniert und finanziert worden.

Mit den Massnahmen am Bachlauf und am Ufer wird der freie Wasserfluss wieder ermöglicht. Der Lebensraum kommt jetzt den dortigen Zielarten (gewisse Libellen und Dohlenkrebs) wieder entgegen.

Das ausgehobene Material aus der waldseitigen Böschung (zu deren Abflachung) und der Bächlisohle wurde südwestlich auf der gleichen Parzelle provisorisch eingebaut (Einsaat Gräser Frühling 2016). Der definitive Einbau ins nahe gelegene Landwirtschaftsgebiet erfolgt anlässlich der Etappe zwei, die im Spätherbst 2016 ausgeführt wird.

Finanziert wird der Eingriff durch die Einwohnergemeinde und den BKW Ökofonds. 

Ein neuer Bachlauf im Schutzgebiet Gwattmoos, Thun

Ein Bachlauf voller dichter Vegetation war nicht das Ziel nach drei Jahren Laufzeit im Pro Natura Schutzgebiet Gwattmoos. Es wurde klar, dass „etwas getan werden muss“, um den Bachlauf offen und frei fliessend zu erhalten. Nur was?

Nach umfassenden Abklärungen haben wir im März, zusammen mit dem Tiefbauamt der Stadt Thun (die Gemeinde ist unterhaltspflichtig an den Fliessgewässern) während rund zwei Wochen den bisherigen Bachlauf ausgehoben und das Material an anderer Stelle auf dem Gelände eingebaut. Nach dem Verlegen von Vlies und der Kautschukabdichtung (perfekter Einsatz der Freiwilligen - danke!) wurde der Bachlauf auf der ganzen Länge mit 20 cm Flusskies (Vigier Einigen) überschüttet. Es war nicht ganz einfach, das geringe Gefälle und damit den Fliesscharakter auf der Parzelle beizubehalte. Die eingesetzten Maschinen haben Spuren hinterlassen – daher wird die offene Kiesfläche neben dem neuen Bachlauf mit einer Blumenmischung eingesät.

Finanziert wurde dieser bedeutende Unterhalt durch die Stadt Thun als Eigenleistung, dem Ökofonds der Energie Thun AG und der Abteilung Naturförderung des Kantons Bern.

 Die Kleingewässer für Gelbbauchunken im Gwattmösli und Gwattmoos sind wieder offen.

Die Kleinstgewässer für die Zielart Gelbbauchunke im Gwattmoos und Gwattmösli waren teilweise so stark verwachsen, dass sie von den Amphibien gemieden wurden. Darum haben wir die kleinen Tümpel mit dem Bagger wieder frei gelegt und neue ausgehoben, so dass sie den Bedürfnissen der Unke nach flachen, vegetationslosen Gewässern und guter Besonnung entsprechen. Das pflanzliche Material wurde an geeigneter Stelle auf beiden Parzellen wieder eingebaut.

Die Massnahmen wurden von der Firma Wenger AG, Unterlangenegg rasch und kompetent ausgeführt. Finanziert wurde der Eingriff im kantonalen Naturschutzgebiet Gwattmösli vollumfänglich durch die Abteilung Naturförderung Kanton Bern.

Die Kosten im Gwattmoos wurden von Pro Natura Bern und Pro Natura übernommen.

Leitfaden Ufervegetation, 2014

Im Rahmen eines Mandats vom Bundesamt für Umwelt BAFU wurde ein Leitbild zur Wichtigkeit der Ufervegetation entlang von Gewässern erstellt.

Auszug: ...ein Gewässer weist ein gutes ökologisches Potential auf, wenn zumindest ein wesentlicher Teil der Leitarten und zumindest ein Teil der typischen Begleitarten eigenständige Bestände mit ausreichender typspezifischer Biomasse erhalten können. Eine gesunde Ufervegetation schützt den Gewässerlebensraum vor erhöhten Temperaturen, puffert den Stoffeintrag aus der Landwirtschaft, schafft ein Gleichgewicht zwischen Erosion und Auflandung am Ufer, vermindert das Aufkommen von Neophyten und ist selbst Lebensraum sowie Vernetzungsgebiet für viele, namentlich auch national prioritäre Arten und gliedert die Landschaft. Der Fortbestand und Schutz von Arten und Lebensräumen ist eine Kernbotschaft der „Strategie Biodiversität Schweiz“ (SBS) und dem Aktionsplan 2014-2019 „Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz“. Das Ziel für die Gewässer ist, den Druck aus dem Gewässerraum zu nehmen und für eine gesunde Ufervegetation mit genügend Bestockung in der Landschaft zu sorgen, um den Fortbestand vieler in Gewässern lebenden Arten zu schützen und erhalten...

 

Allmendingenbächli, Thun, 2011

Das Allmendingenbächli, ein heute wunderbares Fliessgewässer in Thun, ist 2011 renaturiert worden. Über viele Jahrzehnte wurde das Bächli in den Wintermonaten via Schieber im Glütschbachtal abgestellt und damit trocken gelegt. Im Frühling ist es jeweils wieder zum Fliessen gebracht worden. Abstellen, trockenlegen und wieder laufen lassen war nicht mehr zeitgemäss und widersprach den gesetzlichen wasserbaulichen Grundlagen. Darum sollte ein ganzjähriger Wasserlauf angestrebt werden.

Nach einer mehrjährigen Verhandlungs- und Planungszeit konnte im Winter 2011 endlich gebaut werden. Gestartet wurde mit einem grossflächigen Holzschlag durch die Burgergemeinde Strättligen. Damit wurden eine bessere Besonnung und mehr Wärme ins Gelände gebracht. Die Renaturierung und Bachlaufgestaltung auf der ungefähr 1 km langen Strecke konnte während einer längeren Trockenperiode und damit sehr effizient ausgeführt werden. Zum Abschluss folgte die Handarbeit mit einer wegseitigen Einsaat und dem waldseitigen Pflanzen von rund 250 Sträuchern, davon zahlreiche Wildrosen.

Das Bächli ist heute wieder ganzjährig fliessend und damit Lebensraum für heimische Fische und Libellen geworden. In den ebenfalls gebauten Stillgewässern leben Amphibien und weitere wasserliebende Tiere. Und all das zur Freude der Bevölkerung in einem viel besuchten und geschätzten Naherholungsgebiet der Gemeinde Thun.

Für den Unterhalt sorgen die Stadt Thun (Tiefbauamt und Stadt Grün) und punktuell Freiwillige von Pro Natura Region Thun.

Grundeigentümerin ist die Burgergemeinde Strättligen.

Projektleitung: Ruedi Hadorn, B&S Ingenieure und Verena Wagner (ehem. Pro Natura Region Thun), Projektpartnerin: Pro Natura Bern

 




TT-Beiträge

 

 

Sämtliche bisher realisierten Wasserbauprojekte sind unter Mitwirkung und in teilweise ehrenamtlicher Arbeit von Gerhard Bieri, Einigen und Roland Wenger, Unterlangenegg entstanden. Ihre Ideen und das grosse (Fach-) Wissen, wie auch das tatkräftige Mitdenken und Anpacken haben zum gemeinsamen Erfolg geführt.